Brustkrebs behandeln

Wie und wo Brustkrebs behandeln lassen – oder Diagnose und Therapie als Daten und Fakten.

Aktuelle Daten und Fakten rund um das Thema: Wie und wo Brustkrebs behandeln lassen. Informationen und Überblick zu allen Phasen der Erkrankung.

Alle Informationen wurden mit größter Sorgfalt erstellt und freigegeben von Jens-Peter Kruse, Oberarzt der Klinik für Senologie und Brustchirurgie und Brustzentrum am Marien Hospital in Düsseldorf und Dr. med. Rossella Marafioti, beratende Ärztin im Brustkrebs Beratungs-Zentrum >>zebra<<. Unser Prinzip ist Beratung, weshalb wir Sie bitten, unabhängig von der Website unsere Beratung personalisiert in Anspruch zu nehmen. 

Pro Jahr erkranken weltweit über 1.4 Million Menschen neu an Brustkrebs, in Deutschland derzeit rund 72.000 Frauen und über 500 Männer. Damit ist Brustkrebs in den Industrienationen die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Das Erkrankungsrisiko nimmt mit zunehmendem Alter zu. Ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Risiko. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei ca. 63 Jahren.

Brustkrebs benötigt aufgrund der vielen Facetten eine individuelle Behandlung, die entsprechend individuell geplant wird. Patientinnen benötigen Vertrauen in die behandelnden Ärzte und einen tiefen Einblick in die Therapievielfalt.

Für die Heilungs-Chance und den weiteren Verlauf der Krankheit ist entscheidend, dass von Beginn an die Sicherheit der Diagnose, die individuelle Planung der interdisziplinären Behandlung (Einbeziehung von Experten der Fachrichtungen Strahlentherapie, Onkologie, Pathologie/Molekularpathologie, Radiologie) und die Qualität der Operation gewährleistet werden.

Die Behandlung sollte in einem Zentrum mit brustchirurgischer und senologischer Spezialisierung erfolgen, das gilt auch für an Brustkrebs erkrankte Männer.

Mit der Diagnose Brustkrebs fallen viele Frauen in ein tiefes Loch. Sie fühlen sich dem Schicksal ausgeliefert. Betroffene Männer sind ebenfalls geschockt und tabuisieren die Symptome vielfach. Männer verstehen nicht, an einem „Frauen-Tumor“ erkrankt zu sein.

Gegen die Ohnmacht und Angst der Betroffenen kann das Wissen über die Krankheit helfen. Wer seinen Gegner genau kennt, kann gegen ihn vorgehen.

Um als mündige Patientin mitentscheiden zu können ist es wichtig, alles über die individuelle Ausgangssituation und Behandlungsschritte zu wissen. Im Brustkrebs Beratungs-Zentrum >>zebra<< helfen wir Ihnen, Ihre offenen Fragen zu beantworten und die erforderliche Behandlung zu verstehen. Wie Sie Unterstützung in Anspruch nehmen können und sich nicht „ausgeliefert“ fühlen. Teilen Sie uns gerne ganz konkret Ihre Ängste mit.

Besteht der Verdacht auf Brustkrebs, sind neben einer klinischen Untersuchung zunächst die bildgebenden Verfahren der Mammographie und eine Ultraschalluntersuchung sowie ggf. eine Kernspintomographie = MRT = Magnetresonanztomographie erforderlich.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Mammographie-Sceening zur Früherkennung von Brustkrebs und Vorstufen zu, das Frauen ohne Beschwerden und Symptome in der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren in zweijährlichem Abstand empfohlen wird. Bei den teilnehmenden Frauen wird die Diagnose Brustkrebs mehrheitlich in einem frühen Stadium gestellt. (35% der Tumore sind unter 1 cm, 75 bis 80% unter 2 cm, 80% ohne Lymphknotenbefall). Je kleiner der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist, desto besser sind die Heilungschancen der betroffenen Frau.

Als nächstes erfolgt unter bildgebender Kontrolle (Ultraschall, Mammographie oder Kernspintomographie) eine feingewebliche, minimalinvasive Untersuchung in Form einer Stanzbiopsie oder Vakuumbiopsie. Hierbei wird in örtlicher Betäubung ein kleines Gewebestückchen in einer Hohlnadel entnommen, was jede Streuung von Tumorzellen ausschließt. Das Gewebe wird anschließend vom Pathologen und vom Molekularbiologen analysiert, wodurch mit fast 100-prozentiger Sicherheit geklärt werden kann, ob der Tumor gut- oder bösartig ist (Histologie).

Zu unterscheiden ist zwischen den „nichtinvasiven“ Brustkrebsvorstufen (DCIS = Carcinoma in situ) und dem invasiven Brustkrebs („Streukrebs“), bei dem einzelne Krebszellen schon ins Blut und die Lymphbahnen gestreut haben können.

Beim DCIS sind die entarteten Zellen nur auf die Milchgänge beschränkt und noch nicht in das umliegende Gewebe vorgedrungen. Diese Vorstufen sind bereits durch eine sichere Operation, bei Brusterhaltung meist durch eine Strahlentherapie ergänzt, vollständig heilbar.

Anhand der Molekularpathologie kann die Tumorbiologie des Brustkrebses, d.h. wichtige Prognosefaktoren (s.u.) zur genauen Behandlungsplanung beurteilt werden.

Das früher häufig übliche, aber inzwischen überholte Verfahren der Diagnosesicherung durch eine direkte Operation (offene Biopsie) wird zwar manchmal noch praktiziert oder gewünscht, ist aber nicht mehr „state of the art“. Neben zahlreichen anderen Nachteilen hat dieses Verfahren vielfach zur Folge, dass aus „Sicherheitsgründen“ nachgeschnitten werden muss, ein zusätzlicher, vermeidbarer Eingriff, der die Heilung negativ beeinflussen kann. „Nachschneiden zu müssen“ und die Häufigkeit von Nachoperationen zur Schnittgrenzensicherheit in einem Brustzentrum sind daher ein negatives Qualitätsmerkmal. In einigen Kliniken liegt diese zusätzliche Belastung bei bis zu 30 Prozent und mehr.

Spätestens wenn es um das „Nachschneiden aus sogenannten Sicherheitsgründen“ geht, sollte sich die Betroffene eine Zweitmeinung in einem brustchirurgischen Exzellenzzentrum einholen, wo die Nachschneiderate vernachlässigbar ist oder höchstens zwei Prozent beträgt.

Weitere Ausbreitungsdiagnostik (Staging)

Steht die Diagnose Brustkrebs endgültig fest, wird in gewissen Situationen abgeklärt, ob der Tumor bereits Tochtergeschwülste, sogenannte Fernmetastasen, im Körper der Patientin gebildet hat – was selten vorkommt. Diese Ausbreitungsdiagnostik (Staging) erfolgt heutzutage nur bei Patientinnen mit hohem Risiko einer Fernmetastasierung, in der Regel bei geplanter Chemo-Therapie, Antikörper-Therapie. Es erfolgen dann CT, Untersuchung des Thorax und Abdomens, evtl des Schädels (CT oder MRT) und eine Knochen-Szintigraphie. Diese Staginguntersuchungen können auch nach der Operation erfolgen.

Therapieplanung

Wenn alle bildgebenden, feingeweblichen und tumorbiologischen Befunde vollständig vorliegen, müssen folgende Fragen geklärt werden:

  • Welche Ausdehnung hat der Tumor?
  • Gibt es außer dem nachgewiesenen Tumor noch weitere abklärungsbedürftige Befunde in der Brust?
  • Sind die Lymphknoten befallen oder frei?
    Zur definitiven Klärung ist hierzu in Einzelfällen eine vorgezogene, sogenannte „prätherapeutische“ Wächterlymphknotendiagnostik (SNB) vor der eigentlichen Krebsoperation oder Behandlung sinnvoll.
  • Kann brusterhaltend operiert werden?
  • Ist im Fall der Notwendigkeit zur Brustentfernung eine Sofortrekonstruktion möglich oder sollte diese später stattfinden?
  • Ist auf Grund der Tumorbiologie (Hormonrezeptoren, Her2-Status, Grading etc.) und/oder des Tumorstadiums (insbes. Lymphknoten-befall) auf jeden Fall eine Chemotherapie (ggf. mit Antikörpertherapie) erforderlich?
    Falls ja, sollte sie idealerweise vor der Operation erfolgen (neoadjuvante Therapie). Bei günstiger Ausgangssituation und Tumorbiologie ist eine Chemotherapie oftmals nicht erforderlich bzw. eine definitive Beurteilung erst nach der Operation möglich.
  • Was wünscht die Patientin?
  • Sind weitere Faktoren wie u.a. Alter der Patientin, familiäre Brustkrebsbelastung, allgemeiner Gesundheitszustand bzw. Begleiterkrankungen, Brustanatomie (Form, Grösse, Symmetrie) bei der Planung zu berücksichtigen?

Erst wenn all diese Fragen beantwortet sind, erstellt ein Spezialisten-Team aus Brustchirurgen, Strahlentherapeuten, Onkologen, Röntgenärzten und Pathologen in der fachübergreifenden/interdisziplinären Tumorkonferenz ein maßgeschneidertes, kompetentes Behandlungskonzept. Dazu legt das Team Art und Reihenfolge von Operation, Strahlentherapie und Systemtherapie (Chemotherapie, Anti-Hormontherapie, zielgerichtete Therapie) fest.

Neben ausführlicher Aufklärung benötigt die Patientin Zeit zum Nachdenken und für Gespräche mit der Familie und Freunden, um für sich herauszufinden, welches Behandlungsverfahren sie wünscht, welches Operationsverfahren der Brusterhaltung oder der Rekonstruktion. Auch der Austausch mit anderen Brustkrebspatientinnen wie im Brustkrebs Beratungs-Zentrum >>zebra<< kann ihr helfen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich eine medizinische Zweitmeinung einzuholen.

Beginn der Behandlung, Behandlungsmethoden und Strategien

Die drei Grundpfeiler der Brustkrebsbehandlung sind die Operation, die Strahlentherapie und die medikamentöse Systemtherapie. Zu Letzterer zählen Antihormontherapie, Chemotherapie und zielgerichtete Therapie.

Welche dieser Behandlungsmethoden erforderlich bzw. sinnvoll ist, in welcher Abfolge und mit welchem Ziel sie erfolgen, ist abhängig vom Tumorstadium, der Operationsmethode und der Tumorbiologie.

Brustkrebs-Operation

Moderne Brustkrebschirurgie vereint Krebschirurgie und Schönheitschirurgie (ästhetische/plastische Chirurgie) mit dem Ziel der Brusterhaltung oder der Möglichkeit der sofortigen oder späteren Rekonstruktion.

Durch Methodenvielfalt sowie Kombination plastischer und onkologischer Krebsoperation (Onkoplastische Operationstechniken) lässt sich ein Höchstmaß an Sicherheit erzielen. Dazu muss der Operateur den Tumor vollständig und mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand des ihn umgebenden gesunden Gewebes entfernen (R0-Resektion). Eine exakte Markierung des Tumors vor der Operation (Nadelmarkierung unter Ultraschallsicht oder mammographisch bzw. kernspintomographisch gesteuert) und die feingewebliche intraoperative Schnellschnittuntersuchung durch den Pathologen sind wichtige Qualitätsmerkmale für die Schnittgrenzensicherheit.

Die Qualität des Operateurs ist bei der Brustkrebschirurgie erwiesenermaßen das wichtigste Element für ein ergebnissicheres Behandlungskonzept und die Heilung.

Strahlentherapie – Das zweite Element der Sicherheit.

Eine Strahlentherapie (Radiotherapie bzw. RT) ist zusammen mit der OP entscheidend für den nachhaltigen Erfolg der lokalen Krebsbehandlung und der Heilung. Ziel ist es, mögliche Restzellen des Brustkrebses zu zerstören. Die Strahlentherapie verhindert, dass Rezidive oder Metastasen auftreten können.

Strahlen schädigen das Erbgut der Zellen und blockieren so deren Fähigkeit, sich zu teilen. Während sich gesunde Zellen davon erholen, haben Tumorzellen ein schlechter funktionierendes Reparatursystem und sterben ab.

Mit einer Strahlentherapie werden daher auch nach einer Chemotherapie mögliche Restzellen des Brustkrebses vernichtet.

Die wissenschaftlichen Daten aus Vergleichsstudien weisen darauf hin, dass die lokale Bestrahlung nicht nur die lokale Sicherheit, sondern auch das Überleben positiv beeinflusst. Das erscheint zunächst sehr verwunderlich. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass durch die Bestrahlung die „gefährlichen Stammzellen“ des Tumors, die besonders strahlensensibel sind, abgetötet werden. Diese Zellen können die Erstbehandlung einschließlich der Chemotherapie überleben und sind wahrscheinlich wesentlich für das lokale Wiederauftreten und die prognostisch relevanten Fernabsiedlungen verantwortlich.

Eine Strahlentherapie ist auf jeden Fall erforderlich, wenn brusterhaltend operiert wurde.

Medikamentöse Systemtherapie

Unter einer „systemischen“ Therapie versteht man eine Behandlung mit Medikamenten, die auf Tumorzellen im gesamten Körper wirken. Ziel ist es, eventuell schon gestreute einzelne Tumorzellen im Wachstum zu stoppen oder zu zerstören. So lassen sich das Rückfallrisiko reduzieren und die Heilungschancen weiter verbessern. Man unterscheidet dabei Anti-Hormontherapie, Chemotherapie und Immuntherapie bzw. zielgerichtete Therapie.

Anti-Hormontherapie (endokrine Therapie)

Östrogen, ein körpereigenes weibliches Geschlechtshormon, kann den Tumor zum Wachstum anregen, wenn dieser auf seiner Zelloberfläche Hormonrezeptoren aufweist, d.h. hormonempfindlich ist. Bei der Anti-Hormontherapie geht es darum, die Hormonrezeptoren des Tumors außer Gefecht zu setzen, entweder durch direkte Blockade (durch Tamoxifen) oder durch Unterbindung der Hormonbildung im Körper (durch Aromatasehemmer bzw. GnRH-Analoga). Welche Hormontherapie in Frage kommt, ist davon abhängig, ob die Eierstöcke noch Geschlechtshormone produzieren, d.h. ob sich die Frau vor den Wechseljahren befindet, prämenopausal ist, oder ob sie sich bereits jenseits der Wechseljahre befindet, d.h. postmenopausal ist. 

Chemotherapie

Eine Chemotherapie (CHT) wird abhängig vom individuellen Rückfallrisiko vor allem bei Tumoren mit aggressiver Tumorbiologie und einem deutlichen Lymphknotenbefall empfohlen. Derzeit untersuchen Studien, unter welchen Voraussetzungen in Zukunft bei ein bis drei befallenen Lymphknoten und ansonsten günstiger Tumorbiologie möglicherweise auf eine Chemotherapie verzichtet werden kann.

Krebszellen teilen sich schneller als die gesunden Körperzellen. Genau da setzt die Chemotherapie an: Durch die Kombination verschiedener Zellgifte, sogenannter Zytostatika, die an unterschiedlichen Stellen der Zellteilung wirken, zerstört sie schnell wachsende Tumorzellen.

Eine gute Möglichkeit, die Wirksamkeit der Chemotherapie als wichtigen individuellen Prognosefaktor zu überprüfen und ggf. eine Umstellung der Therapie durchzuführen, bietet die neoadjuvante Chemotherapie. Sie wird vor einer Operation verabreicht und führt in den meisten Fällen zu einer Verkleinerung, teilweise zu einer völligen Rückbildung des Tumors

Zielgerichtete Therapie/Antikörpertherapie/Immuntherapie

Die zielgerichtete Krebstherapie („Targeted Therapy“) ist ein neuer Ansatz bei der Behandlung von Krebs. Während die Chemotherapie eher unspezifisch wirkt und auch gesunde Zellen schädigt, können die neuen spezifischen Wirkstoffe die Krebszellen gezielt angreifen – eine wirksame und zugleich für den Gesamtorganismus weniger belastende Methode. Streng genommen ist die Antihormontherapie gerade bei Brustkrebs die älteste und wirksamste zielgerichtete Therapie, doch werden heute im Allgemeinen nur die neuen, nicht-hormonellen Behandlungsansätze
unter dem Begriff „Targeted Therapy“ zusammengefasst.

Beim Brustkrebs ist derzeit die bekannteste zielgerichtete Therapie die Her2-Antikörper-Therapie.
Brustkrebs Diagnosesicherung - eine Zusammenfassung vom Brustkrebs-Beratungs-Zentrum >>zebra

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